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GBlog

Und wenn ein Schlaukopf daher kommt und sagt, das sei doch Exibithionismus, dann sage ich dem Schlaukopf: Genau, Schatz – es ist Kunst. Und die handelt von der Wirklichkeit.
Aus: Auch Deutsche unter den Opfern von Benjamin von Stuckrad-Barre

„Sie sind alt genug, zu wissen, dass nichts beleidigender ist als die Wahrheit, und was ihr blaues Auge anbelangt, so würde ich Ihnen empfehlen, ein rohes Beefsteak aufzulegen.“

Aus: Neil MacAdam von W. Somerset Maugham


09.09.22 / 06:49

Schlafmangel, seit anderthalb Monaten. Anspannung geringer und deshalb weniger Antrieb, dafür Platz für Erschöpfung.


08.09.22 / 04:39

Um 03:00 Galilei bestätigt: Jupiter hat Monde! Folgende Namen vergeben: Mond 1, Mond 2 und Mond 3. Suche nach Mond 4 wird morgen fortgesetzt. Befriedigendes Gefühl meinen Beitrag geleistet zu haben. Gerade gelesen, dass irgendein perverser Chinese bereits 365 v. Chr einen Jupitermond entdeckt haben will; mit bloßem Auge. China gehört nicht zu den Antipoden; so lässt sich das Problem also nicht lösen.


07.09.22 / 03:47

Wach seit kurz nach zwei. Knapp vier Stunden. Einschlafen war schwierig; bis M. kam, wie gestern. Auf dem Balkon: sternklare Nacht, Jupiter direkt vor mir, Blick nach unten.

Seelenverwandtschaft? Ihre Stimme dringt tief in die Finsternis, welch eine Wohltat. Es war eine Illusion, allein zu sein.

Den Traum verstehe ich seit gestern Mittag; ungefähr. Abends kann ich ihn in Worte fassen. Was sind schon Worte? Vieles wird zerredet. Erkennen heißt nicht zerlegen, auch nicht erklären. Es heißt Zugang zur Schau finden. Aber um zu schauen, muss man erst teilnehmen. Das ist eine harte Lehre… […] „Machen sie Jagd auf uns?“ „Sie machen Jagd auf uns“ „Steigen sie schnell?“ „Ich weiß nicht… ich glaube nicht… nein!“ „Was entscheiden Sie, Herr Hauptmann?“ Dutertre hatte gesprochen. „Was soll ich entscheiden?“ Alles schweigt. Da ist nichts zu entscheiden. Das geht Gott allein an. Wenn ich vom Kurs abwiche… (Flug nach Arras von Antoine de Saint-Exupéry)


06.09.22 / 12:43

Gestern Abend M. angespannt, ich angespannt, M. wegen mir und ich wegen mir und ihr. Anspannungsmanagement betrieben (man nennt das auch Gespräch) und zwei Vorschläge gemacht: wie bereits erwähnt, Einsatz der Nagelmatte und morgen einen ganz bestimmter Anruf; mein letzter Trumpf!

Heute Morgen mit Anlauf (hauptsächlich weil ich es gestern vorschlug), und gewissenhafter Vorbereitung bezüglich der Formulierung, Trumpf gespielt. Wie erwartet Rückruf erhalten, obwohl natürlich Zweifel da waren, aber gibt es denn überhaupt Zweifellosigkeit angesichts der Umstä nde? Folgte ich dem Zweifel, gäbe es keine Interaktion mehr. …dass schon der Zweifel selbst der Irrtum ist. [Hegel]

Schicksalhafte Begegnung damals. Gute Geschichte: Das Kind sitzt also ihr gegenüber und sie sagt ungefähr so: Alles schlechte hat auch sein gutes. Dem Kind ist schnell klar, dass Erfahrung spricht. Was macht es? Es reist ihr die Maske ab, durch Blicke, durch Worte, gewalttätig, dringt zum Menschen vor. Sie leidet ein bisschen, macht aber weiter, sie kennt das ja alles; wirklich. Dann kommt es zu stillschweigendem Einverständnis und Verbundenheit, tief empfundener Zuneigung seitens des Kinds und Vertrauen und Glaube an ihr wohlwollendes Handeln.

Ansonsten? And Wink did fuck my girl / I’m still standin‘ here screaming fuck the „Freeworld“ (B-Rabbit vs. Papa Doc aus 8 Mile von Eminem)


05.09.22 / 08:33

Also Terra, wegen der Umstände. Gestern Abend mit M. und ihren Eltern polnisch essen. Die Einladung kam gefühlt kurzfristig. Diesbezüglich gab es unterschiedliche Ansichten. Aber ja, ich hätte es mir denken können. Wäre das angesichts der Umstände möglich gewesen, denken im Wahn? Ich fühlte mich vernachlässigt. Struktur bitte, wenig Kraft für Äußeres, kaum Möglichkeit Entscheidungen zu fällen, Einfachheit überaus bevorzugt.

Mittags Sport gemacht, danach aufrechter, aber bereits abends wieder gebeugt; sehr tief. Kurs Richtung Tavor, also Niederlage, wozu es nicht kam, wegen des Essens. Im Restaurant angekommen und alles wird gut. Einsamkeit. Pollmann hat sich abends tatsächlich noch gemeldet. Heute werde ich auch noch Prokgoh meine Kontaktdaten per Mail mitteilen und somit meinem Bedürfnis nach Verbindlichkeit genüge tun.

Jetzt, um 09:18… Um 10:00 macht der Laden auf: hinfahren, Ton kaufen, nach Hause fahren und ab zur rechten Oberkörperpartie der Ballerina. Dies ist mein Wille. Es ist noch Zeit für die Mail an Prokgoh.

21:16

Heute Morgen: Ich halte das nicht aus. Heute Abend: Ich halte das nicht aus. Dazwischen: Handlungen und Erschöpfung und gute Laune (furchtbar). Jetzt: Handlung und Erschöpfung. Auf die Nagelmatte gelegt und entspannt, Rücken sei Dank. Was heißt denn das, ich halte das nicht aus? Vielleicht der Verlust des Willens zu gestalten. Wie wird es morgen? Unzulässige Frage, irgendwie wird es werden und selbst wenn, wie oft habe ich es schon nicht ausgehalten; im Übrigen entspringt diese Frage der Angst.

Ich hatte mir vorgenommen heute noch einen Eintrag zu machen; erledigt.


04.09.22 / 12:03

12:03, Arbeit und Struktur oder Struktur und Arbeit? Wie dem auch sei, mit dem Witgert Ton komme ich nicht klar. Durch den Versuch das Problem zu ignorieren (und bei Gott, diesbezüglich war ich beharrlich) lässt es sich nicht lösen; leider. Also das trifft mich, als gäbe es nicht genug andere Sorgen in dem Maß, dass Lähmung mit Ohnmacht einhergeht; potentiell. Kann denn nicht einmal was klappen? Das ist furchtbar, aber wie sagte Proposition Joe (The Wire) so schön: So ist das Leben, schließlich könne er nicht alle umlegen, da er sonst bei thanksgiving allein am Tisch säße. Deshalb tun was notwendig ist, also morgen anderen Ton besorgen und den aktuellen in die Tonne kloppen. So lautet die Frage: Terra oder nicht Terra bzw. Boesner oder Rüther. Rüther bevorzugte ich, müsste aber für einen unbekannten Hersteller deutlich mehr Aufwand betreiben. Wenn der auch nicht meinen Vorstellungen entspricht? So ist das Leben!

Morgens war es schwierig. Immer wieder auf die Uhr geschaut, die gegen mich war. Bis 10:45 durchgehalten. Es ist schwierig das alles so anzunehmen wie es ist. Ich möchte raus aus der Dunkelheit, will aber auch kein glücklicher Narr sein.

Zur Ballerina folgende Überlegungen

Torsion, rechte Schulter und Schulterblatt (deshalb wiederum auch die linke Schulter und Schulterblatt), Neigung der Fläche, alles von vorne (deshalb ist das mit dem Ton nicht so schlimm), immer weiter machen und weiter: Es irrt der Mensch so lang er strebt (Faust von Johann Wolfgang Goethe)


03.09.22 / 12:08

Nachmittags in der Dunkelheit aufgegangen; Tränen. Während des Sports zurückgekehrt. Ich übe Kontrolle aus (wer auch immer das ist). Abends Angst wegen der LNdB und gefühlt lieber daheim bleiben. Stattdessen Wein gekauft, um die Besonderheit des Abends zu zelebrieren und das Programm studiert: Lexander Prokogh im HB55, danach Fahrbereitschaft, eventuell noch Alte Gießerei. Prokogh machts möglich. Unter höchster Anspannung aufgebrochen. Soll ich umdrehen, mir könnte jemand was antun, ich könnte den Ansprüchen nicht genügen. Attraktive Frau vor dem HB55, während eine andere mich was fragt, als ich meine Henkerskippe rauche und ich ganz ungezwungen los plaudere. Dies ist meine Einsamkeit, als wäre die Angst zuvor nie gewesen.

Tapfer immer wieder Ateliers betreten und somit die Aufmerksamkeit auf mich gezogen.

Bei Prokgoh dann Unterstützung durch meine Leidenschaft für Kunst und sein vorzügliches Schaffen. Mich vorgestellt und mit ihm, später noch Pollmann, bis tief in die Nacht geredet; gute Typen, die beiden. Keine Fahrbereitschaft/Gießerei mehr.

Prokmann wollen mich heute besuchen. In der Regel wird das immer angekündigt aber nie gemacht.

Wo ist das Kind? Such Ballerina, such! Neulich auf dem Rad vor meinem inneren Auge: in einem dem Lager auf einem Leichenberg sitzt das Kind und spielt mit dem Arm einer der Puppen unter ihm, teilnahmslos. Es hebt ihn an und lässt ihn fallen, es hebt ihn an… Daneben ein Paar das sich liebt und irgendwo die anderen die davon profitieren. Jeder ist verantwortlich für alles (Das Prinzip Verantwortung, Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation von Hans Jonas) Aber ich habe doch keine Zeit, irgendeiner muss ja das Geld verdienen… (Viele, zu Viele)

Am Morgen wieder Ballerina.


02.09.22 / 12:03

Vormittags wieder an der Ballerina in der Finsternis gearbeitet; endlich. Die Lähmung durch die Angst überwunden. Nun geht es weiter diese zu überwinden. Immer zu Angst, Angst und Angst und der ganze Rattenschwanz an Gefühlen, wie Hass und Ekel und Wut und der Wunsch ein glücklicher Narr zu sein oder besser noch ein zufriedenes Schwein (Niemals! Weder das eine noch das andere, aber es motiviert zu kämpfen und genau das, exakt das, ist gut so, denn hier stehe ich als Mensch). Rottet die Bestien aus [Herz der Finsternis von Joseph Conrad]

Zu Beginn des Modellierens in quälender Endlosschleife das Plakat: Die Sammlung Beyeler: Monet, Picasso, Matisse, Miro, Klee, Bacon. Dazu das Bild von Bacon mit dem Hochradfahrer. So war das damals in diesem Raum.

Zur Ballerina folgende Überlegungen

torquere (lat.) = drehen, verdrehen, foltern

Im neuen Entwurf konsequenter umgesetzt und somit in der Finsternis angekommen; endlich.


01.09.22 / 16:16

Das Kind

2010 | Glasur auf Keramik | Modellierung | 13 x 12 x 11 cm

Neulich im Traum war ich im Zimmer des J. im Haus in der Beutingerstraße; bei mir Frau S. Als es klingelte, stellte sich ein junger Mann als Herr Bruch vor und machte mir eine Eifersuchtsszene wegen der S. Ich fürchtete Gewalt, wozu es aber nicht kam. So wie er auftauchte, verschwand Herr Bruch: überraschend. Im Zimmer des J. unterhielt ich mich nett mit Frau S., bis ich mich gezwungen sah auf Toilette zu gehen. Als ich spülte, musste ich feststellen, dass das Wasser nicht abfloss. Frau S. gab mir ihren Pömpel. Trotz pömpelns floss das Wasser nicht ab; im Gegenteil, jetzt begann es überzufließen. Was eine Sauerei! Zum Glück gibt es ja den Abfluss in der Mitte des Bads. Obwohl sich der Boden deutlich trichterförmig zum Abfluss senkt, fließt das Wasser, entgegen der Physik, um den Abfluss herum. Es mied ihn! Zurück im Zimmer des J. hatte die S. inzwischen abgelegt, bis auf die Unterwäsche und ihren Körper aufs Bett. Ich legte mich neben sie auf den Rücken und sah an der Decke Verfärbungen: von einem vergangenen Wasserschaden. Als ich zum übers Eck gehenden Fenster blickte, sah ich nur grünes Gebüsch anstatt der kilometerweiten Aussicht. Wie konnte das auf einmal so hoch werden?

Der Kinese sagte heute, er habe eine Idee warum gerade dieser Ort, ob es mir auch so ginge? Die Wurzel allen Übels.

Wie viele Jahre hat es gedauert, um dort hinzugelangen. Es führt auch kein Weg zu diesen Geheimnissen. Man hat inmitten des Unverständlichen, das im gleichen Maße verhasst ist, weiterzuleben. Allerdings hat es auch seinen Reiz, dem er sich nicht entziehen kann. Den Reiz des Grauens, wenn ihr das versteht. Stellt euch vor, wie die Reue wächst, zugleich mit der Sehnsucht, zu entrinnen, dem ohnmächtigen Widerwillen der Ergebung, dem Hass. (Herz der Finsternis von Joseph Conrad)